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    AOK spricht von Desinformation, Hoppenthaller drängt auf Rücktritt

    Bayerischer KV-Vorstand mit dem Rücken zur Wand

    07.01.09 - Bayerns KV-Chef Munte und seinem hausärztlicher Stellvertreter Schmidt bleibt kaum Zeit, ihre Wunden zu lecken. Die nun mit dem Hausärzteverband paktierende AOK wirft ihnen vor, die Ärzte in Sachen Honorar bewusst in die Irre zu führen. Hausärztechef Hoppenthaller fordert ultimativ den Rücktritt des Duos.

    AOK Bayern und Bayerischer Hausärzteverband (BHÄV) hatten sich noch vor Weihnachten auf den bundesweit zweiten Vollvertrag zur hausarztzentrierten Versorgung geeinigt. Der Durchbruch hat eine Kaskade hektischer Aktionen in Bewegung gesetzt. Den Anfang machten die Fachärzte: Angeführt vom Landesverband der Kinder- und Jugendärzte gelobten einige Fachgruppen, AOK-Patienten nur noch gegen Kostenerstattung zu behandeln.

    Der Großkasse (4,2 Millionen Versicherte) stinkt diese Ankündigung gewaltig, auch wenn sie sich in der Praxis kaum realisieren lassen wird. Sie geht davon aus, dass die Informationspolitik der KV Bayerns die Fachärzte in die Radikalität getrieben hat. Zwischendurch kam sogar der Verdacht auf, die Körperschaft habe ihre Neutralitätspflicht verletzt, da sie sich - freilich ohne selbst davon zu wissen - unter den Unterzeichnern der fachärztlichen Resolution befand.

    KV Bayerns schwört Ärzte auf harte Zeiten ein

    Doch das Tischtuch zwischen AOK und KV ist endgültig zerschnitten - und daran sind die Vertragsärztechefs Axel Munte und Gabriel Schmidt nicht unschuldig. Sie können in diesem Jahr mehr Geld verteilen als noch 2008, den bajuwarischen Honorarstandard mithin halten - und trotzdem verbreiten sie in aller Welt, dass ihre Ärzte Einbußen von bis zu 30 Prozent hinnehmen werden müssen.

    Das ist schon eine sehr selektive Wahrnehmung. Selbst wenn es einzelne Fachgruppen derart hart treffen sollte, müssten andere im Gegenzug ja in noch höherem Umfang profitieren. Über diese Seite der Medaille schweigen die KV-Chefs allerdings - selbst wenn man sie direkt darauf anspricht.

    Das RLV ist nicht das Ende der Fahnenstange

    Für die AOK ist diese Vorgehensweise "besonders empörend". Sie fordert die KV dazu auf, den Ärzten endlich reinen Wein einzuschenken - vor allem, was die Regelleistungsvolumina (RLV) betrifft. Das diese nur einen Teil des Honorars ausmachen - im Schnitt etwa 60 bis 70 Prozent - werde den Ärzte nicht mitgeteilt. "Dies betrifft gerade Fachgruppen, die aktuell besonders lautstark auftreten", sagt die AOK.

    Ins gleiche Horn stößt auch der neue beste Kumpel der Kasse, BHÄV-Chef Wolfgang Hoppenthaller. Er forderte die KV-Oberen auf, "umgehend Ihre Brandstiftung innerhalb der Ärzteschaft und Ihre Verunsicherungskampagnen gegenüber den Patienten einzustellen". Statt von radikalen Honorarkürzungen zu reden, sollten sie lieber erklären, wo sie das von den Kassen ja tatsächlich zur Verfügung gestellte Mehrhonorar hinverteilen.

    Der KV sind bei der Verteilung die Hände gebunden

    Ein wenig Unrecht tut Hoppenthaller der KV damit natürlich schon - schließlich kann sie das Geld nicht nach eigenem Gusto verteilen, sondern muss sich streng an die Vorgaben des Bewertungsausschusses in Berlin und an die Absprachen mit den Kassen im Freistaat halten. Dass manche Fachgruppen eventuell Honorar verlieren, ist also nicht ihre Schuld.

    Hoppenthaller allerdings lässt keinen Zweifel daran, dass er auch mit dem Erreichen des 73b-Vertrags den KV-Vorstand nicht in Ruhe lassen wird. "Meine Herren, ist es nicht längst an der Zeit zurückzutreten?", fragt er am Ende seines Schreibens. Und fügt hinzu: "Sie sollten dies sehr bald tun, ansonsten werden wir offiziell Ihre Amtsenthebung fordern."

    C. Heyer / AOK Bayern / KBV / BHÄV


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    Freitag, 10.07.2009