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Hohe Spendenbereitschaft, wenig Spender

Das deutsche Organspende-Dilemma

08.01.09 - Die Bereitschaft, nach dem eigenen Tod ein Organ zu spenden, ist prinzipiell groß. Doch die Zahl der Organspenden ist 2008 erstmals seit Jahren zurückgegangen. Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan bekommen.

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Spenderausweise gibt's auch unter www.dso.de Foto: DSO

Spenderorgane sind trotz grundsätzlich großer Spendebereitschaft in Deutschland Mangelware - in höherem Maß als in anderen EU-Ländern. 2008 war erstmals seit Jahren ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen - nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) auf unter 15 Spender pro einer Million Einwohner.

In Belgien, den USA, Österreich, Frankreich, Italien und Finnland gibt es mehr als 20 Organspender pro Million Einwohner, beim Spitzenreiter Spanien sind es mehr als 30.

"Die Verteilung wird immer schwieriger, weil es immer weniger Organe gibt", sagt Roland Hetzer, Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin.

Laut einer Forsa-Umfrage

  • stehen 79 Prozent der Menschen dem Spenden der eigenen Organe nach dem Tod positiv gegenüber
  • besitzen aber nur 14 Prozent einen entsprechenden Ausweis.

Rund 12.000 Menschen in Deutschland warten auf ein Organ. Etwa 4.000 Organe werden pro Jahr gespendet.

"Die Kliniken sind verpflichtet, Hirntote als Organspender zu melden, aber sie tun es zu selten", kritisiert Hetzer. Nach Einschätzung von DSO-Vorstand Günter Kirste sind die Krankenhäuser damit völlig überfordert.

Spezialisierte Mitarbeiter gefordert

Kirste fordert, es müsse in großen Kliniken nach spanischem Vorbild Mitarbeiter geben, die ausschließlich für die Koordination der Organspende und für die Gespräche mit den Angehörigen zuständig sind. Derzeit müssten sich ohnehin ausgelastete Intensivmediziner zusätzlich darum kümmern.

Der DSO-Vorstand fordert Gesetzgeber, Länder und Selbstverwaltung im Gesundheitswesen zu durchgreifenden Reformen auf. "Wir müssen in Deutschland endlich die Verantwortlichkeiten klären." Die Organspende als Gemeinschaftsaufgabe zu interpretieren, hält er für "organisierten Blödsinn". Dahinter könne sich jeder verstecken.

Als Gründe für den aktuellen Spenderrückgang nennt Kirste "unsägliche Debatten" über eine angebliche Bevorzugung von Privatpatienten sowie Unsicherheiten in Kliniken aufgrund der Änderung des Gewebegesetzes.

Infos und Spenderausweise

me / Quelle: dpa (Basil Wegener)


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